Kopi Luwak Coffee. Ubud /Bali, Indonesien

Am Ende einer der unzähligen Gassen, inmitten des kulturellen Zentrum Balis, stehen wir zu viert auf zwei Rollern nebeneinander. Wir waren im Regen unterwegs, quer durch einen Verkehr ohne jegliche Regeln – Hupen ist die Ausnahme, was wohl „Platz da, ich komme!!“ heißt. Wir sind in der Kleinstadt Ubud, die vor allem für seine sattgrünen Reisterrassen – dem „Monkey Forest“ – sowie die zahlreichen bunten und traditionellen Kunstmärkte bekannt ist. Nur dem Zufall haben wir es zu verdanken, dass uns genau an der Stelle, an der wir gerade pausieren, ein älterer Herr balinesischer Herkunft anspricht. Höchstwahrscheinlich aus Mitleid, denn als einige der wenigen Menschen mit blonden Haaren und heller Haut, fallen wir als Touristen überall auf. Er fragt uns, ob wir einen Kaffee trinken wollen, anstatt im Regen zu stehen. Er wolle sowieso gerade in die gleiche Richtung, wir sollen ihm einfach folgen. Da wir gerade nichts Besseres zu tun haben, machen wir das und fahren in Dreierkolonne durch den prasselnden, warmen Regen.

Kaum haben wir unsere Roller am Zielort abgestellt, begrüßt uns ein junger Mann mit den Worten „Welcome to Luwak Coffee“.

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Er nimmt uns mit Regenschirmen in Empfang und führt uns durch eine blühende Plantage mit leuchtend roten Kaffeebohnen. Erst jetzt begreifen wir, wo genau es uns hin verschlagen hat: Heute werden wir den wohl teuersten Kaffee der Welt und den wohl beliebtesten Kaffee Indonesiens probieren. Bevor es aber ans Verkosten geht, werden wir ausführlich über die Herstellung informiert. Dieser Kaffee wird aus Bohnen hergestellt, die zuerst von Zibetkatzen, die ausschließlich in Indonesien leben, gefressen und dann beinahe unverdaut wieder ausgeschieden werden. Im Darm dieser Tiere werden die Bohnen fermentiert und erhalten ihr einmaliges Aroma. Natürlich werden die Bohnen gründlich gereinigt und von ihrer Schale getrennt, ehe sie geröstet und danach zu Pulver gestampft werden.

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Ein paar Meter weiter laufen wir an zwei Zibetkatzen vorbei. Diese können nur nachts sehen und schlafen deshalb tagsüber. Zu unserem Glück ist eines der Tiere schwanger und durch die innere Unruhe wohl wach. Tapsig wie ein Waschbär schnuppert sie in unsere Richtung, aber wir lassen sie in Frieden und riskieren es nicht, eine gereizte, trächtige Katze zu stören.

Wir alle sind leidenschaftliche Kaffeetrinker und inzwischen unglaublich gespannt auf den Geschmack des „Kopie Luwak Coffees“. Unseren neuen 72-jährigenFreund Jana laden wir natürlich als Dankeschön fürs Wegweisen ein. Zu unserer Überraschung hat er selbst noch nie solch einen Kaffee probiert, da er für ihn einfach zu teuer ist. Etwas beschämt schauen wir uns an und wissen diesen Augenblick, an diesem wunderschönen Ort, sehr zu schätzen. Jana will sich mit einem einfachen balinesischen Kaffee zufriedengeben – aber nicht mit uns! Wir laden ihn ein und bestellen fünf Tassen vom teuersten Kaffee der Welt, der hier 50.000 Rupiah kostet, umgerechnet ca. 3,50 Euro. Dazu gibt es als kleine Aufmerksamkeit eine Glasschale mit Bananenchips.

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Der „Katzenkaffee“ schmeckt vollmundig und ein bisschen muffig, hat aber keinerlei bitteren Nachgeschmack. Er ist mild und süß, fast sirupgleich. Ein englischer Schauspieler John Cleese beschreib ihn weiterhin sehr schön mit Untertönen von Dschungel und Schokolade. Ein Blick zu Jana, der über beide Ohren lächelt und mit seinen Fingern auch noch den letzten Satz des Kaffees genießt, sagt alles. So sitzen wir weiter inmitten der Plantage, mit Blick auf ein Reisfeld, gemütlich mit Jana und unserem jungen Freund zusammen und plaudern über Traditionen in Bali – aber auch darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich eine der grünen Giftschlangen aus dem benachbarten Reisfeld zu uns herüber schlängelt. Neben uns fallen noch immer dicke Regentropfen auf die Erde…

Unser Fazit: Wer einmal die Chance hat diesen Kaffee zu probieren – optimalerweise auch noch in Indonesien, wo er hergestellt wird – sollte das in jedem Falle tun. Für alle Kaffeeliebhaber, die „schwarz trinken“ wird der Geschmack allerdings gewöhnungsbedürftig sein, da er wirklich sehr süß schmeckt. Für uns war es ein unvergesslich schönes Erlebnis, worüber wir wohl noch das ein oder andere Mal, in Erinnerung schwelgend, plaudern werden.

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