Brauerei zum Alten Dessauer. Dessau

Dessau-Roßlau – eine vergessene, aber kulturell wichtige Stadt

Wer „Dessau-Roßlau“ hört, fängt nicht unbedingt an in große Jubelschreie zu verfallen. Die Stadt hat trauriger Weise den Ruf alt, grau und leblos zu sein. Wir wollen dieses Klischee beiseite räumen und Euch nicht nur ein kulinarisches Highlight vorstellen, sondern auch die kulturellen Besonderheiten dieser leicht vergessenen Stadt wieder hervorzuheben. Mal abgesehen, dass kurz vor der Autobahnabfahrt Dessau im Regelfall immer eine Baustelle den Verkehr beeinträchtigt, sind wir schon richtig gespannt auf unseren kleinen Ausflug. In Dessau gibt es viel zu sehen, was man anfangs gar nicht denkt.

Wir entscheiden uns als erstes das UNESCO Weltkulturerbe, das Bauhaus und die Meisterhäuser von Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe, anzusehen. Was momentan immer mehr im Trend liegt, war damals schon eine Augenweide, denn der klassische und zeitlose Stil der Häuser fasziniert Jung und Alt. Mit der Entstehung für das Bauhaus gründeten sie eine Hochschule, an der die jungen Absolventen sich künstlerisch mit Alltagsgegenständen auseinandersetzen durften und sollten. So entstanden u.a. Stahlrohrmöbel, der Freischwinger Stuhl ohne Hinterbeine oder die weltweit beliebte Bauhaustapete. Wir schauen uns die Gebäude und dessen Innendesign genau an und sehen immer mehr Parallelen zur heutigen Architektur; denken wir da nur an die Häuser am Zwenkauer See, am Cossi oder am Hainer See, die diesem Stil eindeutig nachempfunden sind.

Meisterhaus Dessau
Bildquelle: meisterhaeuser.de

Nach unserer ersten Entdeckungstour und lauter Staunen, bekommen wir langsam Hunger und entscheiden uns in die Stadt zu gehen; in das „Brauhaus zum Alten Dessauer“. Wer hier am Wochenende noch einen Platz bekommt, kann von Glück reden und das haben wir auch! Wir werden vom Personal freundlich begrüßt und anschließend an unseren Tisch gebracht. Im ganzen Brauhaus riecht es super lecker nach Braten. Wir bekommen noch mehr Hunger! Aber noch bevor wir in die Karte schauen, wollen wir uns noch etwas umsehen. Wir haben einen Platz direkt am Fenster, im Herzen der Brauerei bekommen. Hinter uns befinden sich zwei strahlende Kupferkessel, in denen das Bier vor sich hin gärt. Etwas weiter hinten im Restaurant befindet sich eine Backstube, in der täglich frische Brezeln und sogenanntes Treberbrot aus wichtigen Malzresten gebacken werden.  Wir gehen eine Etage nach oben. Dort hat man einen schönen Ausblick auf den unteren Gastraum mit den Kupferkesseln. In einer weiteren 3. Etage gibt es noch ein Museum, in dem man mehr zur Geschichte des Hauses erfahren kann, denn schließlich reicht diese zurück bis in das Jahr 1900.

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Wir haben unseren kleinen Rundgang beendet und finden uns wieder an unserem Tisch ein. Kurz in die Karte geschaut, entscheiden wir uns bei den Getränken, wie soll es anders sein, für zwei vor Ort gebraute Biere. Einmal Zwickelbier Hell und zwei Edle Pils. Während das Pils mit typischer Klasse recht schnell in den Schlund läuft, ist das Zwickl etwas herber und man vernimmt eine leichte Süße; dennoch ist es schön süffig. Die Auswahl unserer Spiesen war nicht so einfach, denn alles klingt super lecker. Letztendlich fiel unsere Entscheidung auf: 1x knusprige halbe ausgelöste Ente, mit Apfelrotkohl und Klößen, 1x Dessauer Schnitzel mit gebuttertem Gemüse, Biersoße und Bratkartoffeln, sowie einem ofenfrischen Schweinebraten in Biersoße, mit Sauerkraut und Kartoffelkloß. Damit wir nicht mit leerem Magen warten müssen, gibt es vorne weg Treberbrot mit Griebenschmalz. Das Treberbrot ist der WAHNSINN!! Innen schön weich und luftig, außen eine knusprige Brotkruste und der Schmalz passt perfekt dazu. Das Brot kann man im Übrigen käuflich erwerben. Nach nur kurzer Wartezeit bekommen wir unsere Hauptspeisen. Der Schweinebraten ist schön zart, der Kloß ist – wie Opa immer sagte – „schön rotzig“ (= gummiartig und dennoch nicht trocken) und das Sauerkraut ist gut gewürzt. Die Biersoße ist bei beiden Gerichten die Gleiche und schmeckt anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber dennoch richtig gut. Die ausgelöste Ente überzeugt mit ihrer knusprigen Haut, dem zarten Fleisch und dem harmonierenden Apfelrotkohl. Es ist fast ein bisschen wie Weihnachten. Das Dessauer Bier passt perfekt zum Essen! Wir werden super es hat uns vorzüglich geschmeckt. Wir entscheiden uns für einen kleinen Verdauungsspaziergang und bestellen die Rechnung.

Alter Dessauer (1 von 3)

Alter Dessauer (3 von 3)

Wir gehen zu Fuß in den Dessauer Stadtpark – womit wir wieder beim Thema „Kultur der Stadt Dessau“ wären. Hier im Stadtpark finden wir einen Gedenkstein, der thematisch nicht besser in unsere heutige Zeit passen könnte. Wer von Euch kann sich denn noch an das Lied „Adriano“ von den Brothers Keepers erinnern? Der im Songtext beschriebene Mosambikaner ist im Jahr 2000 von drei betrunkenen Neonazis hier in Dessau brutal zusammengeschlagen wurden und erlag später seinen Verletzungen. Neben dem deutschlandweit bekannt gewordenen Lied, hat man ihm also hier im Park ein Gedenkstein gesetzt. Uns überkommt eine leichte Gänsehaut als wir dort stehen und wir erinnern uns an die Nachrichten von damals: Der Fall löste eine Welle der Empörung aus, tausende Menschen riefen zum Trauermarsch auf und demonstrierten gleichzeitig gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Wir laufen noch eine Weile durch den Park, im Kopf sind wir aber schon auf dem Weg zum nächsten kulturellen Höhepunkt, doch das erzählen wir Euch in einem weiteren Beitrag, bei dem es auch wieder heißt: Ab nach Hause, denn auch in der alten Heimat gibt’s sooo unglaublich viel zu entdecken!

SPOILERALARAM: Ihr könnt ja schon mal grübeln, was es mit einer Tante und Orangenbäumen so auf sich haben könnte.

Brauhaus zum Alten Dessauer
Lange Gasse 16
06844 Dessau-Roßlau

Öffnungszeiten
Montag – Sonntag von 11:00 Uhr bis 00:00 Uhr

Hier geht’s zum Braushaus zum Alten Dessauer

 

Für die Kulturbegeisterten:

Stiftung Bauhaus Dessau
Gropiusallee 6/
06846 Dessau-Roßlau

Hier geht’s zum Bauhaus Dessau

 

Bildquelle Meisterhaus: http://www.meisterhaeuser.de/bilder/nr_24a.jpg

 

 

 

 

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